Abschied aus dem Vorstand

Mit Ursula Beck scheidet ein langjähriges Vorstandsmitglied aus dem Vorstand von insieme Region Bern aus. Ursula hat sich über viele Jahre sehr engagiert für die Interessen und Belange der Menschen mit Beeinträchtigung innerhalb unseres Vereins, wie auch als Vertreterin unseres Vereins in der Arbeitsgruppe Pädagogik der Kantonalen Behindertenkonferenz (kbk) stark gemacht.

Udo Iashvili (I): Ursula, was war deine Motivation, dich im Vorstand von insieme Region Bern zu engagieren?

Ursula (U): Seit der Geburt unserer Tochter Melanie sind wir immer wieder herausgefordert , neben ihrer Beeinträchtigung immer wieder auch ihre Fähigkeiten, Talente und eigene Persönlichkeit zu entdecken. Wir setzten uns dafür ein, dass unsere Tochter die Schule bis zum Abschluss teilweise integriert besuchen konnte.

Wir wünschten uns aber auch für ihr Erwachsenenleben nicht nur die vorgegebenen Möglichkeiten und Wohnformen. Das bereits 2005 bestehende Pilotprojekt von insieme Region Bern zum selbstbestimmten Wohnen schien mir diese Vision bereits zu erfüllen.

Um solchen Entwicklungen nahe zu sein, habe ich mich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung gestellt.

 

I: Seit 2009 bist du schon im Vorstand tätig. Wenn du auf diese Jahre zurückblickst, was waren für dich bewegende Momente?

U: In den letzten 14 Jahren gab es viele Highlights - aber auch grosse Herausforderungen. Zum Beispiel mussten wir 2015 viel Überzeugungsarbeit leisten, damit unsere einzigartige Hausgemeinschaft nicht durch die Behörden zum Heim erklärt wurde. Den Bewohner*innen war es sehr wichtig, weiterhin eigenständig und selbstbestimmt zu wohnen. Dies konnten wir erhalten und die Behörden von unserem wegweisenden Modell überzeugen.

Ein speziell bewegender Moment war für mich im letzten Jahr das farbenfrohe Gartenfest zum 17- jährigen Jubiläum der HG. Die Bewohner*innen haben dieses lustvoll und mit vielen eigenen Beiträgen gestaltet. Gleichzeitig hat auch meine Tochter Melanie einen mutigen Schritt gewagt – sie wohnt seit 1 Jahr in ihrem eigenen Studio in der HG und sie geniesst für sie ungewohnte Freiheiten in vollen Zügen.

So gibt es noch vieles mehr. Ich durfte spannende Menschen kennenlernen und erleben, wie sich der Freizeittreff in der Villa Stucki neu aufstellen konnte.

 

I: Du hast auf die Mitgliederversammlung 2023 deinen Rücktritt aus dem Vorstand erklärt. Diese Entscheidung fiel dir……

U: ...besonders leicht, weil Melanie nun in der HG lebt und ich als ihre Bezugsperson mit insieme Region Bern weiterhin verbunden bleibe.

Gleichzeitig freut es mich, dass auch Personen ohne beeinträchtigte Angehörige im Vorstand mitarbeiten. Unser Anliegen von einer inklusiven Gesellschaft wird immer breiter getragen. Alles hatte ja mal als Initiative von Eltern begonnen, die ihren Kindern mehr Selbstbestimmung beim Wohnen und in der Freizeit ermöglichen wollten.

 

I: Warum sollte sich Jemand deiner Meinung nach im Vorstand von insieme Region Bern engagieren?

U: In einer inklusiven Welt, wo es normal ist, verschieden zu sein, braucht es iRB wahrscheinlich nicht mehr. Noch ist es aber nicht soweit! Für dieses Ziel Ideen zu entwickeln und umzusetzen ist immer wieder inspirierend. Ich freue mich auf die Diskussionen rund um die Inklusionsinitiative und bin gespannt, wie sich die neuen Finanzierungsmodelle auf unsere Angebote auswirken werden und wie wir uns anpassen und weiterentwickeln. Das sind spannende Aufgaben, für die sich ein Engagement lohnt.

 

I: Was wünscht du insieme Region Bern für die Zukunft?

U: Ich wünsche iRB weiterhin den Mut, alte Muster zu hinterfragen und ungewohnte Wege zu wagen – solange bis alle Menschen in der Schweiz gleiche Chancen auf Teilhabe haben.

 

I: Liebe Ursula vielen Dank für das Interview. Vielen Dank für dein persönliches Engagement für insieme Region Bern.

Ich möchte dir auch persönlich für die sehr gute Zusammenarbeit, den konstruktiven Austausch und die grosse Unterstützung danken.

Wir wünschen dir weiterhin alles Gute.